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Einleitung:
Die atypischen Beschäftigungsverhältnisse werden schon seit Mitte der 1980er Jahre sehr kontrovers diskutiert. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt und in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung haben sie inzwischen eine hohe Bedeutung gewonnen. Bislang sind allerdings kaum wissenschaftliche Ausarbeitungen zu diesem Thema veröffentlicht worden, welche einen Überblick über den aktuellen Stand der heterogenen und kaum zu überblickenden Erscheinungsformen bieten.
Der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit liegt in einer systematischen Gesamtschau der wichtigsten Varianten atypischer Beschäftigung. Behandelt wurden befristete und geringfügige Beschäftigungsverhältnisse (Mini- und Midijobs), Selbständigkeit, die Instrumente Ich-AG und Gründungszuschuss aus der neuen Selbständigkeit, Leiharbeit (einschließlich der Personalserviceagenturen - PSA) sowie Varianten der Teilzeitbeschäftigung.
Ebenso finden auch einige Kombilohn-Modelle und aktuell bestehende Regelungen mit einem Kombilohncharakter Beachtung. Die Thematik der atypischen Beschäftigung ist jedoch sehr komplex, so dass es im vorgegebenen Rahmen dieser Arbeit nicht möglich ist, alle Facetten dieses Themas zu behandeln.
Die Systematik folgt den gesetzlichen Normen. Zusammen mit den Regelungen zu den Sozialversicherungen repräsentieren sie die signifikantesten Betrachtungsmomente, unter denen die Analyse der einzelnen Beschäftigungsmodelle verläuft. Die Konsequenzen für die Beschäftigten2 stehen im Fokus der Analyse, wobei jedoch nicht auf die Segmentationstheorien oder ähnliche Ansätze eingegangen werden kann. Vielmehr stehen die einzelnen Problemlagen und Risiken im Vordergrund, welche sich an die einzelnen Varianten der atypischen Beschäftigung knüpfen.
Um die Situation der Betroffenen möglichst differenziert zu porträtieren, sind Analysen aus den unterschiedlichsten Perspektiven vorgenommen worden. Die dargestellten Aspekte richten sich notwendigerweise an den Charakteristika der einzelnen Beschäftigungsvarianten aus. Soweit wie möglich bleiben jedoch folgende grundsätzliche Blickwinkel erhalten:
Die quantitative Verbreitung und Entwicklung der Varianten sowie die Verteilungen auf Geschlecht, Alter und Qualifikation der Beschäftigten bilden wichtige Aspekte. Auch Angaben zu typischen Branchen verdeutlichen Merkmale und weisen auf potentielle Risikogruppen hin. Die verwendeten Daten sind überwiegend dem Mikrozensus entnommen und sind auf die deutsche Erwerbsquote zwischen den Jahren 1985 und 2005 bezogen. Sie orientieren sich an der deutschen Wohnbevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis 65 Jahre) Inländerkonzept. Es werden also auch Arbeitslose und Teilnehmer in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen berücksichtigt. Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), des Instituts für Arbeit und Technik (IAT), des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP) und der Bundesanstalt für Arbeit wurden ebenfalls verwendet.
Eine weitere Perspektive ergibt sich aus der Analyse der aktuellen Gesetzeslage. Sie wird einer Evaluation unterzogen, welche neben den Zielen des Gesetzgebers insbesondere auf die Konsequenzen der betoffenen Beschäftigten abzielt. Im Spannungsfeld zum Normalarbeitsverhältnis spiegeln sich hier Veränderungen wider, welche die institutionellen, rechtlichen und sozialpolitischen Orientierungen betreffen. In diesem Zusammenhang werden auch die geltenden Bedingungen der Sozialversicherungen untersucht, da auch sie maßgeblich die Verhältnisse und Umstände, in denen die behandelten Beschäftigungsformen zustande kommen, mitbestimmen.
Je nach Datenlage werden auch berufsstrategische Perspektiven aufgezeigt, welche mit den atypischen Beschäftigungsmodellen verbunden sind. Die Wirkung auf die Erwerbsmobilität und das Potential für die Arbeitsmarktintegration, insbesondere von Frauen und Arbeitslosen, stehen dabei im Fokus der Betrachtungen. Denn insbesondere die integrationsfördernde Kraft dieser Erwerbsformen wird häufig als Legitimation zu deren Ausweitung verwendet, die es hier zu überprüfen gilt. Abschließend findet eine Einschätzung zum Ausmaß der Prekarität statt, welche mit den Erwerbsformen und ihren Begleitumständen einhergehen kann.
Ausgangspunk ist das Normalarbeitsverhältnis, das sowohl in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung als auch im alltäglichen Arbeitsleben nach wie vor etabliert ist. Zwangsläufig ist damit eine Diskussion um seine Bedeutung, seiner Funktion sowie eine Kritik seiner Auswirkungen auf die Beschäftigungsverhältnisse erforderlich. Die These um die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses wird ebenso thematisiert. Das Thema dieser Arbeit ist die Analyse, der von diesem Konstrukt abweichenden und damit als atypisch zu bezeichnenden Beschäftigungsverhältnisse. Sie scheinen einer weitverbreiteten Auffassung nach zu expandieren, was nicht unerhebliche Konsequenzen nach sich zieht.
Abschließend wendet sich die Arbeit der aktuell geführten Debatte um die Kombilöhne und dem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn zu. Die derzeitige Problemlage in Deutschlands wachsendem Niedriglohnsektor bildet den Ausgangspunkt dieses Abschnittes.
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