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Sozialer und ökonomischer Umbruch in Osteuropa und die Konsequenzen für den Sozialstaat Deutschland

Dargestellt anhand der Beispiele Polen und Rumänien

Autor/in Marcus Guttmacher
Art der Arbeit Diplomarbeit
Abgabe Juni 1995
Seiten 89 Seiten, 3,6 MB
Hochschule / Bildungseinrichtung Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe Deutschland
Note

Inhaltsangabe

Einleitung:

Die Bundesrepublik Deutschland sieht sich seit Anfang der 1990er Jahre einem qualitativ neuartigen Migrationsdruck ausgesetzt. Der politische Wandel in Osteuropa löst in seiner Entwicklung den vielfachen Wunsch zur Emigration aus. Das wirtschaftlich starke Deutschland steht, inmitten einer sich herausbildenen Europäischen Union, als primäres Ziel einer Migrationswelle aus dem "Osten".

Es stellt sich die Frage nach der Bereitschaft und Fähigkeit der Integration eines Millionenheeres von Zuwanderungswilligen in das soziale System der Bundesrepublik Deutschland.

Positionen werden bezogen, die einerseits wirtschaftliche Gewinne durch den Zufluß von Arbeitskräften vorrechnen, und die andererseits auf die Gefahren des "Überstrapazierens" der Integrationsfähigkeit hinweisen. Fest steht lediglich, daß der Sozialstaat Deutschland nicht in der Lage sein wird, alle Zuwanderungswilligen aufzunehmen und gleichzeitig das bestehende System zu erhalten.

Jedoch muß in der Behandlung dieses Themas darauf verwiesen werden, daß Migrationen bezogen auf den Sozialstaat keine neuartige Erscheinung sind, wohl aber sich die Qualität und Quantität der Zuwanderung verändert hat:

Im 19. Jahrhundert ist Deutschland ein Auswanderungsland. Angesichts der wirtschaftlichen Krise verlassen über sechs Millionen Menschen ihre Heimat, vorwiegend nach Übersee. Hieran schließt sich eine Einwanderungswelle nach Deutschland an. Durch die vorwiegend aus Polen stammenden Einwanderer wird die enge Verwobenheit von Migration und Wirtschaft und damit auch Sozialstaatlichkeit deutlich. So wäre ohne diese Einwanderung das Funktionieren der deutschen Landwirtschaft unmöglich gewesen.

Nach dem II. Weltkrieg ist weiterhin eine jährliche Migration zu verzeichnen. Bis in die 1980er Jahre kommen ca. 15 Millionen Menschen, vielfach gestützt durch Anwerbeverträge in die Bundesrepublik. Somit ist Migration für den Sozialstaat Deutschland kein unbekanntes Phänomen.

Die Beispiele Polen und Rumänien dienen im Folgenden zur Veranschaulichung der Entwicklungen in Osteuropa. Es sollen die Bedingungen in diesen Ländern herausgestellt werden, die die Migrationen auslösen. Die Unterschiedlichkeit des Fortschreitens der Umbrüche und deren jeweilige historischen, gesellschaftlichen und politischen Gründe werden anhand der Beispielsländer Polen und Rumänien verdeutlicht.

Gang der Untersuchung:

Der historische Rückblick verweist auf die Verbindungen, die insbesondere zwischen Polen, aber auch Rumänien und Deutschland bestehen.

Anschließend werden die deutschen Reaktionen seitens der Bundesregierung diskutiert. Einer Polarisierung von "pro", bzw. "contra" Einwanderung soll hierbei entgegengewirkt werden. Vielmehr werden Chancen und Möglichkeiten deutscher Politik eröffnet, wobei aber die Beachtung von entstehenden sozialen Problemlagen nicht vernachlässigt werden darf.

Abschließend wird auf die Problematik der Sozialstaatlichkeit innerhalb der Europäischen Union eingegangen, deren Ausgestaltung in diesem Bereich weiterhin äußerst fraglich und ungeklärt ist.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis 1
1. Einleitung: Sozialstaat und Migration 4
2. Wanderungen aus und nach Deutschland: Vorgeschichte und Auswirkungen
2.1 Deutsche Volksgruppen in Rumänien 6
2.1.1 Die Siebenbürger Sachsen
2.1.2 Die Banater Schwaben 8
2.1.3 Weitere rumäniendeutsche Volksgruppen
2.2 Die Emigration aus Deutschland im 19. und frühen 20. Jahrhundert 10
2.3 Polnische Arbeitsmigranten in Deutschland 12
2.3.1 Die Polen im Ruhrgebiet von 1880 - 1914 - Ihre Bedeutung für den Strukturwandel in Deutschland 13
2.3.2 Das Phänomen der polnischen „Wanderarbeiter" in Ostpreussen zum Ende des 19. Jahrhunderts 15
3. Die soziale und ökonomische Transformation in Osteuropa; Polen und Rumänien, zwei Länder mit unterschiedlichen Startbedingungen und Entwicklungen 17
3.1 Der schwierige Weg von der Planwirtschaft in die soziale Marktwirtschaft in Polen 19
3.1.1 Die Probleme der wirtschaftlichen und politischen Transformation 22
3.1.2 Die gesellschaftliche und politische Rolle der katholischen Kirche in Polen 24
3.2 Das Ende einer Ära - Der Umbruch in Rumänien und seine Hintergründe 26
3.2.1 Die Realisierungsschwierigkeiten des rumänischen Reformprogrammes des Spätsommers 1990 29
3.3 Die Folgen der sozialen Umbrüche - Polarisierung und Armut 31
3.4 Die Fortentwicklung der Umstrukturierungen - Die unterschiedlichen Perspektiven in Polen und Rumänien 35
4. Migration aus Osteuropa - Erklärungsansätze und Ausmaße 37
4.1 Zwischen ökologischer Devastierung und Arbeitslosigkeit - Eine frustrierte Gesellschaft 39
4.2 Das Sonderproblem der Minderheiten in Rumänien; die Repressionen gegen Roma 42
5. Deutsche Reaktionen auf die Zuwanderung der 1990er Jahre 47
5.1 Die Problematik der Ausländer- und Asylpolitik 48
5.1.1 Die Rückübernahmeabkommen mit Polen und Rumänien 53
5.2 Einwanderungsland Deutschland 55
5.3 Kontrollierte Arbeitszuwanderungen - Stärkung der sozialen Sicherungssysteme contra Schwächung der osteuropäischen Wirtschaftsentwicklung 58
5.4 Schwierigkeiten der Integration - Das Konkurrenzdenken der Ortsansässigen 60
5.5 Möglichkeiten und Grenzen - Migration und Verteilung im Sozialstaat 63
6. Der Sozialstaat im europäischen Haus 68
7. Literatur 71
8. Anhang
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