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Organisationstheoretische Analyse des "Dritten Sektors" in der modernen Gesellschaft

Autor/in Markus Neubert
Art der Arbeit Diplomarbeit
Abgabe Mai 1998
Seiten 79 Seiten, 493,1 KB
Hochschule / Bildungseinrichtung Bergische Universität - Gesamthochschule Wuppertal Deutschland
Note

Inhaltsangabe

Gang der Untersuchung:

Ausgehend von der Feststellung eines Mangels theoretischer Konzeptualisierung des sogenannten Dritten Sektors bzw. Nonprofit Sektors setzt sich die Arbeit mit der Frage nach dessen Existenzgrundlagen und Heterogenität auseinander. Aufgrund des Fehlens einer eindeutigen begrifflichen Bestimmung des Dritten Sektors wird in einem ersten Schritt eine Eingrenzung des Problemfeldes vorgenommen. Zu diesem Zweck wird eine Übersicht der unterschiedlichen Definitionsversuche zusammengestellt, anhand derer auch die Fragestellung weiter geschärft werden kann.

In dem darauf folgenden Schritt werden die Ansätze des Marktversagens (insbesondere Demand- und Supply-side-Hypothesen) und des Staatsversagens als Erklärungsversuche des Dritten Sektors dargestellt. Aus der Kritik an diesen Ansätzen heraus, wird daraufhin der Versuch unternommen, ein eigenes theoretisches Konzept zu entwickeln.

Kritisiert wird dabei vor allem, daß beide Erklärungsversuche sich am liberalistisch-pluralistischem Gesellschaftsmodell orientieren, und ihnen damit die Fixierung auf Markt und Staat als gesellschaftliche Strukturierungselemente gemeinsam ist. Die Arbeit stellt dar, daß durch diese theoretische Engführung charakteristische Merkmale des Dritten Sektors nicht ins Blickfeld geraten. Demgegenüber wird der Versuch unternommen mittels Arbeiten der neueren Organisationssoziologie, die Existenz und die Heterogenität des Dritten Sektors auf der Basis der modernen Organisationsgesellschaft zu entwickeln.

Für die Argumentation ist dabei im Gegensatz zu den oben angeführten Ansätzen zentral, daß nicht der Markt, sondern die Organisation das strukturierende Charakteristikum der modernen Gesellschaft ist. Diese Perspektivenverschiebung lenkt den Blick jedoch nicht nur von Staat und Markt auf Organisation, sondern auch auf die mit dem Organisationsphänomen verbundene Herrschaftsförmigkeit des Vergesellschaftungsprozesses. Mittels der Hinzunahme des Konzeptes gesellschaftlicher Differenzierung, der damit verbundenen Leitpräferenzen und der Unterscheidung von primären und sekundären Teilsystemen kann im Folgenden nachgewiesen werden, daß die am Pluralismus als Metaprinzip der unterschiedlichen Leitpräferenzen orientierten liberalistisch-pluralistischen Ansätze nicht in der Lage sind die Herrschaftsförmigkeit des Prozesses, der die Dritte-Sektor-Organisationen in die Gesellschaft einbindet, zu erfassen und deshalb den Dritten Sektor als autonomen Bereich neben Staat und Markt begreifen müssen.

Um nun einerseits die Einbindung der Dritte-Sektor-Organisationen in die moderne Organisationsgesellschaft zu leisten und andererseits ihre Herrschaftsförmigkeit herauszuarbeiten, wird in der Arbeit Bezug auf die Kategorie der Institution genommen. Mittels dieser lassen sich nicht nur die durch die formale Organisation produzierten Externalitäten über die Trennung von Lebensbereichen (z.B. Arbeit/Freizeit) thematisieren, sondern darüber hinaus auch die damit einhergehende desymbolisierende Wirkung, durch die eine Verbindung zwischen den Lebensbereichen negiert wird. Die so angelegte Argumentation ermöglicht es zu zeigen, daß diese Externalitäten die Grundlage der Entstehung von Dritte-Sektor-Organisationen bilden, in dem ihre zentrale Aufgabe in der spezifischen Resymbolisierung des vorher Ausgeschlossenem besteht. Die Externalitäten, die sich als Bedürfnisse im Bewußtsein der Menschen manifestieren, werden dabei in Interessen transformiert, die eine der Organisationsform adäquate Form darstellen.

In einem letzten Schritt werden die bisherigen Ergebnisse mit dem Konzept der funktionalen Differenzierung verbunden. Damit kann aufgezeigt werden, daß die festgestellte Heterogenität des Dritten Sektors, geht man vom Begriff des Dritten Sektors aus, nichts anderes als seine interne Differenzierung ist. Dadurch, daß die Dritte-Sektor-Organisationen den spezifischen Sinn der sekundären Teilsysteme generieren und in ihrem Handeln adaptieren, verteilen sie sich entlang der Sinngrenzen der sekundären Teilsysteme und schaffen so auch die „interne Differenzierung des Dritten Sektors“.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 2
2. Eingrenzung des Problemfeldes 3
3. Ansätze zur Erklärung des Dritten Sektors 7
3.1 Der Erklärungsansatz des Marktversagens 7
3.2 Der Erklärungsansatz des Staatsversagens 10
4. Theoretischer Rahmen: Der moderne Kapitalismus 15
5. Der Dritte Sektor als Bestandteil der kapitalistischen Gesellschafts-formation 22
5.1 Die Existenzgrundlagen der Dritte-Sektor-Organisationen in der kapitalistischen Gesellschaftsformation 22
5.1.1 Institutionen und Externalitäten 22
5.1.2 Externalitäten und soziale Schließung 27
5.1.3 Externalitäten und organisationale Praxen 30
5.2 Implementation der Dritte-Sektor-Organisationen in die kapitalistische Gesellschaftsformation 33
5.2.1 Die Interessensform von Wünschen und Bedürfnissen 33
5.2.2 Dritte-Sektor-Organisationen als Herrschaftsinstrumente 37
5.2.3 Die Stellung der Klientel von Dritte-Sektor-Organisationen 39
6. Gesellschaftliche Differenzierung und der Dritte Sektor 42
6.1 Stratifizierende gesellschaftliche Differenzierung 43
6.1.1 Primäre und sekundäre Teilsysteme 43
6.1.2 Der Code als inhaltsleerer Signifikant 45
6.1.3 Politische Arenen und organisationale Bünde 47
6.2 Funktionale gesellschaftliche Differenzierung 49
6.2.1 Die Resymbolisierung von Externalitäten 49
6.2.2 Die Problemlösungskompetenz von Dritte-Sektor-Organisationen 53
6.2.3 Erklärung der „Heterogenität des Dritten Sektors“ 57
7. Schluß 62
Anhang: Klassifikationsschemata von Dritte-Sektor-Organisationen 64
Literaturverzeichnis 67
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