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Einleitung:
Gewerkschaften sind Interessenvertretungen der Arbeitnehmerschaft. Ihr Bemühen ist es, die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen in einem sich wandelnden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Umfeld zu gestalten und sie in der Umsetzung ihrer Belange zu unterstützen. Ein wichtiges Ziel der Gewerkschaften liegt darin, Arbeitnehmer zu befähigen, sich in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft selbst für die eigenen Interessen einzusetzen und sich aktiv und demokratisch an der Gestaltung der Gesellschaft zu beteiligen.
Gewerkschaften nehmen in der Gesellschaft mit ihren komplexen, sich wandelnden Rahmenbedingungen vielfältige Aufgaben und Funktionen wahr. Hinweisen möchte ich auf die Schutzfunktion, die Gestaltungsfunktion und die Ordnungsfunktion.
Unter Schutzfunktion wird das Bemühen der Gewerkschaften verstanden, die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten. Das umschließt den Kampf für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen und solidarische Unterstützung der Mitglieder im Krankheits- oder auch Streikfall. Die Gestaltungsfunktion bezeichnet den Einsatz für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeitnehmern auf dem Wege der Umgestaltung der Gesellschaft und des Einwirkens auf Regierung und Gesetzgebung. Die Ordnungsfunktion dagegen zielt auf die gesamtgesellschaftliche Verantwortung der Gewerkschaften ab, die sich im Rahmen ihrer tarifpolitischen Steuerungsfunktion in unserem wirtschaftlichen System manifestiert.
Diese charakteristischen Merkmale gewerkschaftlicher Arbeit zeigen, dass Gewerkschaften einen Zuständigkeitsanspruch auf gesellschaftliche Belange erheben und ein gesellschaftliches Mandat wahrnehmen.
Angesichts zunehmender gesamtgesellschaftlicher Herausforderungen, es sind hier zu nennen die Internationalisierung der Märkte, Globalisierung, die Diskussion über den Sozialstaat und seine Zukunft, der fortschreitende technische und soziale Wandel, Umweltprobleme und steigende Arbeitslosenzahlen, stellt sich die Frage, inwieweit es Gewerkschaften gelingen soll, adäquate Antworten und Handlungsspielräume zu präsentieren und ein Konzept für zukunftsweisende gewerkschaftliche Arbeit vorzulegen, das den gewerkschaftlichen Anspruch auf ein gesellschaftliches Mandat legitimiert.
Die geplante neue Gewerkschaft im Dienstleistungssektor, der dienstleistungsnahen Industrie, im Medien-, Kultur- und Bildungsbereich stellt ein Modell dar, mit dem eine Antwort auf die strukturellen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen gegeben werden soll.
In meiner Diplom - Arbeit untersuche ich, inwieweit das Modell der Dienstleistungsgewerkschaft, ein Zusammenschluss der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG), der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), der Deutschen Postgewerkschaft (DPG) und der Industriegewerkschaft Medien (IG Medien), eine Antwort sein kann auf den Wandel der Arbeit, der eine der gesellschaftlichen Herausforderungen zukünftiger Gewerkschaftsarbeit darstellt. Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, beschränke ich mich auf den Aspekt des Wandels der Arbeit, werde aber auf weitere Herausforderungen verweisen.
Diese Arbeit beruht auf der Hypothese, dass das Modell der Dienstleistungsgewerkschaft eine veritable gewerkschaftliche Maßnahme ist, auf die sich wandelnde Arbeitswelt zu reagieren.
Gang der Untersuchung:
Im 2. Kapitel werde ich zunächst einen Einblick geben, wie sich Gewerkschaften entwickelten und wo die Ursprünge gewerkschaftlicher Arbeit liegen. Der Überblick über die historische Entwicklung soll aufzeigen, wie die Gewerkschaftsbewegung seit ihren Anfängen um eine anerkannte gesellschaftliche Position kämpfen musste und mit welchen Schwierigkeiten das einherging.
Im Anschluss daran werde ich im 3. Kapitel Gewerkschaften in unserer Zeit und auf dem Weg ins 21. Jahrhundert darstellen. Die Bestimmungsfaktoren der Gewerkschaften, zu denen ihre Organisationsstruktur und -grad ebenso zählen wie ihre Tarifautonomie und gewerkschaftliche Grundsatzprogramme, werden beschrieben, um dann eine Auswahl elementarer Herausforderungen, denen sich Gewerkschaften gegenübersehen, zu betrachten.
Erweitert wird diese Betrachtung im 4. Kapitel, in dem der Wandel der Arbeit skizziert wird. Es wird darum gehen, zunächst unabhängig von Schlussfolgerungen für eine Gewerkschaftspolitik, in der gebotenen Kürze Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt zusammenzufassen und daraus resultierende Konsequenzen für die Gesellschaft und insbesondere die Arbeitnehmerschaft aufzuzeigen. Es werden Überlegungen zu einem neuen Umgang mit, einer neuen Bewertung und Verteilung der Ressource Arbeit vorgestellt.
Die in ihrer Planung und Entstehung befindliche Dienstleistungsgewerkschaft wird Gegenstand des 5. Kapitels sein. Die neue Gewerkschaft wird anhand des verfügbaren Materiales vorgestellt werden. Das Kapitel beinhaltet eine Definition des Begriffes der Dienstleistung und Dienstleistungsgesellschaft, die Beschreibung des Entstehungsprozesses der zukünftigen Gewerkschaft und ihrer Grundlagen. Im Anschluss daran möchte ich die ‚Eckpunkte des Zielmodells‘ und das ‚Programmatische Positionspapier‘ der neuen Gewerkschaft, Grundlagen des anvisierten Gründungskongresses, in einem ersten Schritt darstellen, um in einem zweiten Schritt eine Bewertung vorzunehmen. Als Abschluss des 5. Kapitels werde ich die Frage behandeln, inwieweit die neue Gewerkschaft eine Maßnahme sein kann, auf den Wandel der Arbeit als gesamtgesellschaftliche Herausforderung zu reagieren.
Das letzte Kapitel dieser Arbeit soll im Rahmen einer Schlussfolgerung einen abschließenden Überblick über die Arbeit erlauben und einen hypothetischen Ausblick auf zukünftige Gewerkschaftsarbeit geben.
In dieser Arbeit soll es also keinesfalls um eine Dokumentation der bisherigen gewerkschaftlichen Arbeitsmarktpolitik gehen. Vielmehr geht es um die gesellschaftliche Einbettung von Gewerkschaften als gesellschaftlicher Institution. Wie verstehen und wodurch bestimmen Gewerkschaften sich heute und inwieweit bietet die neue Dienstleistungsgewerkschaft einen Ausblick auf ihr Verständnis des Wandels der Arbeit und eine Möglichkeit, mit diesem Konzept Mitglieder zu binden und somit als machtvolle gesellschaftliche Organisation ein gesamtgesellschaftliches Mandat wahrzunehmen.
Inhaltsverzeichnis:
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