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Grenzenlose Organisationen

Konsequenzen des Netzwerkdenkens für internationale Unternehmungen

Autor/in Ursula Fischer
Art der Arbeit Diplomarbeit
Abgabe Dezember 1995
Seiten 125 Seiten, 8,2 MB
Hochschule / Bildungseinrichtung Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt Deutschland
Note

Inhaltsangabe

Einleitung:

Die dynamischen Veränderungen der Weltmärkte konfrontieren internationale Unternehmungen mit hohen Wettbewerbsanforderungen. Dementsprechend reagiert eine wachsende Zahl von Unternehmungen auf die hohen finanziellen und technologischen Risiken einer weltweiten Geschäftstätigkeit und auf den steigenden Wettbewerbsdruck hinsichtlich einer zügigen Erschließung zukünftiger Betätigungsfelder, indem sie unterschiedliche Formen unternehmungsübergreifender Koordination von materiellen und immateriellen Ressourcen einsetzt. Derartige Entwicklungen führen dazu, daß der Erfolg einer international agierenden Unternehmung in beträchtlichem Ausmaß durch ihre direkten, aber auch indirekten Verbindungen mit anderen Organisationen beeinflußt wird.

Infolge des in der Praxis erkennbaren Trends zunehmender Unternehmungsverflechtungen erweitert auch die Unternehmungsforschung ihren analytischen Blickwinkel, um dadurch die Bedeutung verschiedenster Arten von Beziehungssystemen, innerhalb derer ökonomische Aktivitäten koordiniert werden, in der wissenschaftlichen Betrachtung berücksichtigen zu können. Der Begriff des Netzwerkes findet in diesem Zusammenhang häufig Verwendung und illustriert die Einbettung einer Unternehmung in zahlreiche Verbindungen zu anderen Organisationen. Im allgemeinen kann dieser Ausdruck angesichts seines metaphorischen Charakters auf vielfältige Weise benutzt werden. Für ein grundlegendes Verständnis der Tragweite des Netzwerkbegriffs und für eine Auseinandersetzung mit potentiellen Konsequenzen einer Netzwerkperspektive für die Betrachtung internationaler Unternehmungen ist jedoch eine Annäherung an das hinter dem Begriff stehende Netzwerkdenken erforderlich, womit gleichzeitig die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit dargelegt ist.

Gang der Untersuchung:

Aufgrund der bereits angedeuteten Ambiguität des Netzwerkphänomens ist zunächst ein inhaltlicher Zusammenhang zwischen dem Netzwerkbegriff und der internationalen Unternehmung herzustellen (2. Kapitel). Die Erörterung von als klassisch zu bezeichnenden und von modernen Formen der Organisation international tätiger Unternehmungen zeigt, daß in Anbetracht der Wettbewerbserfordernisse eine Abkehr von statisch geprägten Strukturmodellen hin zu dynamischen und ganzheitlichen Unternehmungsmodellen notwendig ist, deren Entwicklung unter anderem auch durch Möglichkeiten moderner Informations- und Kommunikationssysteme beeinflußt wird. Die Idee einer flexiblen, von geographischen Distanzen nahezu unabhängigen netzwerkartigen Verbundenheit internationaler Organisationsgefüge spiegelt sich in den Modellen der Transnationalen Organisation und der Heterarchie wider. Der in den Gestaltungsempfehlungen dieser Konzepte enthaltene Netzwerkgedanke impliziert bereits die Verbindung von Unternehmungsstruktur und -strategie und damit zusammenhängend auch die analytische Relativierung organisationaler Grenzen. Aufbauend auf einer konsistenten Systematik von Netzwerkbegriffen bezüglich verschiedener Abstraktionsebenen kann das Bild der internationalen Unternehmung als „grenzenlose Organisation", eingebettet in Netzwerke, skizziert werden. Die Problematisierung dieses Bildes unterstreicht die Notwendigkeit einer vertiefenden Auseinandersetzung mit dem Netzwerkbegriff.

Im Hinblick auf eine inhaltliche Erweiterung des konturierten Netzwerkverständnisses erfolgt eine synthetisierende Analyse verschiedener theoretischer Ansätze (3. Kapitel). Im Rahmen dieser Untersuchung wird die Thematik der internationalen Unternehmung vorübergehend zurückgestellt, um die Ausführungen innerhalb des breitgefächerten Analysespektrums auf die Identifizierung von grundlegenden Elementen eines Netzwerkdenkens konzentrieren zu können. Der Mangel an einer explizit formulierten Netzwerktheorie wird für den Verlauf der Analyse als Chance genutzt, geeignete Erklärungsbeiträge von ausgewählten Ansätzen aus den Sozialwissenschaften, aus der Ökonomie und aus der Organisationsforschung schrittweise zu einem umfassenden Konzept zu verbinden, das sich aus mehreren „Netzwerkdimensionen" zusammensetzt. Anschließend wird dieses Konzept zu einem komplexen Netzwerkdenken weiterentwickelt, indem dynamische Aspekte in die Betrachtung integriert werden. Dabei wird gezeigt, daß die Komplexität insbesondere auf dynamische Interdependenzen zurückzuführen ist, die sich anhand der Struktur- und Strategiedimension des erarbeiteten Konzeptes aufzeigen lassen. Die Ergebnisse bestätigen unter anderem die These der Relativierung organisationaler Grenzen als eine zentrale Komponente des Netzwerkdenkens. Außerdem wird hervorgehoben, daß die vielschichtigen Zusammenhänge innerhalb des Netzwerkdenkens nur mit einer ganzheitlichen und für dynamische Entwicklungen sensibilisierten Sichtweise erfaßt werden können.

Das entwickelte Verständnis eines Netzwerkdenkens wird anschließend mit der Betrachtung internationaler Unternehmungen in eine Verbindung gebracht (4. Kapitel). Dabei unterstreichen die Ergebnisse der Diskussion der einzelnen Netzwerkdimensionen die Komplexität des internationalen Managements. Das aus dem Netzwerkgedanken resultierende Merkmal der „Grenzenlosigkeit" internationaler Unternehmungen erfordert die synchrone Berücksichtigung von erheblich erweiterten Wirkungskontexten strategischer Entscheidungen und von möglichen Auswirkungen unternehmungsexterner Ereignisse und Bedingungen. Vor dem Hintergrund des Netzwerkdenkens kann die anfangs mit Hilfe von modernen Organisationsmodellen aufgezeigte Verknüpfung von Unternehmungsstruktur und -strategie nun als ein Prozeß simultaner Entwicklung von Struktur und Strategie interpretiert werden. Angesichts des daraus resultierenden Problems der Führung grenzenloser Organisationen wird auf mögliche Ansatzpunkte zur Umsetzung des Netzwerkdenkens in der internationalen Unternehmung eingegangen, ohne dabei die in der Praxis bestehenden Restriktionen zu vernachlässigen.

Die erörterten Konsequenzen des Netzwerkdenkens werden abschließend in einer kritischen Würdigung der in dieser Arbeit insgesamt gewonnenen Erkenntnisse berücksichtigt (5. Kapitel).

Inhaltsverzeichnis:

INHALTSVERZEICHNIS I
ABBILDUNGSVERZEICHNIS III
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS IV
1. Problemstellung und Vorgehensweise 1
2. Organisationsformen internationaler Unternehmungstätigkeit im Wandel 3
2.1 Klassische Formen internationaler Organisation 3
2.1.1 Übersicht 3
2.1.2 Diskussion 5
2.1.3 Die Notwendigkeit neuer Organisationskonzepte 7
2.2 Moderne Konzepte internationaler Organisation 9
2.2.1 Gesamtkonzepte internationaler Organisation 9
2.2.1.1 Das Modell der Transnationalen Organisation 9
2.2.1.2 Das Modell der Heterarchie 12
2.2.1.3 Verknüpfung von Struktur und Strategie 14
2.2.2 Netzwerke als Konzepte internationaler Organisation 15
2.3 Netzwerke als Konzepte unternehmungsübergreifender Organisation 16
2.3.1 Die begriffliche Systematik von Backhaus und Meyer 17
2.3.2 Die begriffliche Systematik von Sydow 18
2.3.3 Die begriffliche Systematik von Kutschker 19
2.3.4 Die begriffliche Systematik im Rahmen dieser Arbeit 21
2.4 Internationale Unternehmungen als grenzenlose Organisationen 22
2.4.1 Relativierung organisationaler Grenzen durch Netzwerke 22
2.4.2 Mögliche Konsequenzen grenzenloser Organisationen 25
3. Netzwerkdenken in verschiedenen Ansätzen - Erarbeitung einer Synthese 26
3.1 Gang der Untersuchung und Spektrum der analysierten Ansätze 26
3.2 Entstehung und Charakterisierung von Netzwerken 28
3.2.1 Erkenntnisse aus sozialwissenschaftlicher Perspektive 28
3.2.1.1 Austauschtheorie 28
3.2.1.2 Netzwerkanalyse 30
3.2.2 Erkenntnisse aus ökonomischer Perspektive 34
3.2.2.1 Kooperation aus Sicht der Spieltheorie 34
3.2.2.2 Kooperation in Unternehmungsnetzwerken 36
3.2.3 Erkenntnisse aus interorganisationaler Perspektive 42
3.2.3.1 Netzwerke im Spiegel organisationstheoretischer Ansätze 42
3.2.3.1.1 Motive interorganisationaler Beziehungen 42
3.2.3.1.2 Resource Dependence-Theory 44
3.2.3.1.3 Evolutionstheoretische Ansätze 47
3.2.3.1.4 Institutionalistische Ansätze 50
3.2.3.2 Interaktionsorientierter Netzwerkansatz 53
3.2.4 Erkenntnisse aus organisationssoziologischer Perspektive 59
3.2.4.1 Netzwerkanalyse als Instrument der Organisationsforschung 59
3.2.4.2 Netzwerkstrukturen als politische Strukturen 60
3.3 Zusammenführung der Erkenntnisse zu einem Netzwerkkonzept 66
3.3.1 Netzwerkaktoren 66
3.3.2 Netzwerkpositionen 67
3.3.3 Netzwerkbeziehungen 68
3.3.4 Netzwerkstrukturen 69
3.3.5 Netzwerkstrategien 73
3.4 Evolution von Netzwerken 75
3.4.1 Entwicklungsprozesse in der Strukturdimension des Netzwerkkonzeptes 75
3.4.2 Korrelationen zwischen Struktur- und Strategiedimension 78
3.4.3 Ansatzpunkte für eine Koordination der Entwicklungsprozesse 80
3.5 Die Notwendigkeit einer integrierten Betrachtung für eine Annäherung an das Netzwerkdenken 83
4. Internationale Unternehmungen im Lichte des Netzwerkdenkens 85
4.1 Internationale Unternehmung und Internationalisierung 85
4.2 Konsequenzen des Netzwerkdenkens für die Betrachtung internationaler Unternehmungen 86
4.3. Konsequenzen des Netzwerkdenkens für das Management internationaler Unternehmungen 92
5. Grenzenlosigkeit als Vision? 97
ANHANG 1 99
LITERATURVERZEICHNIS 100
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