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Einleitung:
Nun mag man im Anblick des menschlichen Körpers als ihm Wohlgesonnener nicht unbedingt von einem schwarzen Ding sprechen, aber als Ausgangsbasis einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit in der Wirtschaftskommunikation, gilt es doch einiges zu erhellen.
Die deutsche Grammatik benennt bei zusammengesetzten Substantiven jeweils ein vorausgehendes Bestimmungswort und das folgende Grundwort. Kommunikation ist in dieser Zusammensetzung somit die Basis der Bestimmung, eben die Basis für Wirtschaft.
So hat man es bereits nach kurzer Zeit mit zwei Basen zu tun, die sich zu einem interessanten Gemisch vereinen, wenn man fragt: Wer kommuniziert da eigentlich?
Humberto R. Maturana und Francisco J. Varela bringen Kommunikation in unmittelbare Nähe von Verhalten, wenn sie sagen:
„Als kommunikatives Verhalten bezeichnen wir als Beobachter solches Verhalten, das im Rahmen sozialer Koppelung auftritt; als Kommunikation bezeichnen wir jene Koordination des Verhaltens, die aus der sozialen Koppelung resultiert.“
Dabei könne davon ausgegangen werden, dass soziale Koppelung Mitglieder bedarf, die ihrerseits über eine körperliche Präsenz in der Welt verfügen.
Die Betonung liegt dabei auf Mitgliedern, also auf Pluralität, denn wie soll ein Mitglied ohne anderes Mitglied in soziale Koppelung eintreten? Mitgliedschaft ist in der Folge auf Maturana/Varela demnach ein wesentlicher Aspekt, um Verhalten innerhalb sozialer Koppelung zu untersuchen. Beispielhaft führen sie an:
„So zeigen z. B. Paviane, die die afrikanischen Savannen bewohnen und in ihrem Verhalten als natürliche Gruppe sehr genau untersucht worden sind, eine ständige und vielfältige Interaktion unter den Individuen einer Gruppe auf der Grundlage von Gesten, Körperhaltung (visuell) und Berührung.“
Auch bei den Bienen kann kommunikatives Verhalten in sozialer Koppelung nachgewiesen werden. Karl von Frisch erforschte 1967 die Kommunikation zwischen den Bienen in zahlreichen Experimenten. Folgendes wurde gefunden:
Obwohl sie nur über das kleine Gehirn der Insekten verfügen, teilen heimkehrende Bienen ihren Kolleginnen auf raffinierte Art Lage und Qualität einer entfernten Futterquelle mit: Die in den - stockdunklen - Stock heimkehrenden der „Scouts“ vollführen auf der vertikalen Ebene einen Tanz, dessen Bewegungsmuster andere Mitglieder des Schwarms über den Körperkontakt mitbekommen. Dabei stehen zwei Grundsymbole zur Verfügung, mit der die Entfernung zunächst in zwei Kategorien unterteilt wird, nah und fern:
Mit dem Kreistanz wird ein Vorkommen im Umkreis bis knapp 100 m angegeben. Richtung wird nicht angezeigt, Intensität, Art der Blüten durch anhaftenden Staub. Die anderen Bienen riechen den Duft an der Heimkehrerin und fliegen dann zu der „benannten“ Stelle.
Ist die Lage der Futterquelle weiter entfernt, vollführt die Heimkehrerin einen Schwänzeltanz in der Form einer 8. Beim Schwänzeltanz wird die Entfernung über die Geschwindigkeit beim Tanzen ausgedrückt: Je grösser die Entfernung, desto langsamer der Tanz. „Wenn der Tanz auf einer horizontalen Fläche vorgeführt wird, dann zielt die Achse des Tanzes auf die Nahrungsquelle hin. Meistens findet der Tanz auf einer vertikalen Fläche statt, und die Richtung wird dann folgendermassen angezeigt: Wenn die Nahrungsquelle in einer Richtung von 45 Grad links vom Sonnenstand liegt, dann liegt die Achse des Tanzes 45 Grad links von der Vertikalen usw.
Wenn der Weg zur Nahrungsquelle einen Umweg einschliesst, dann gibt der Tanz die Luftlinie an. Ein ähnlicher, wenn auch viel längerer Tanz wird von Kundschaftern aufgeführt, die einen neuen Platz für den Bienenstock gefunden haben; sie können dann mehrere Tage lang tanzen, wobei sie die Richtung mit der Orientierung auf die Sonne verändern, bis sich in dem Bienenstock eine Übereinstimmung ergeben hat.“.
Einer der interessanten Aspekte des Bienentanzes ist der Umstand, dass die Elemente dieses tierischen „Symbol“-Systems keinen x-beliebigen Code darstellen, sondern mit bestimmten Eigenschaften des Bezeichneten zu korrelieren scheinen: Der Kreistanz repräsentiert den näheren Umkreis (als Symbol hätte es eine beliebige Tanzfigur getan); die Richtung nach oben weist auf die am Himmel stehende Sonne (als Symbol hätte auch die umgekehrte Richtung funktioniert); der Winkel ist gar ein Abbild der Situation und die Geschmacksprobe bringt sogar die Sache selbst ins Spiel - als „Symbol“ für sich selbst.
Diese beiden Beispiele zeigen, dass der Einzelkörper unmöglich als einzeln im Raum stehender Körper sozial gekoppelt sein kann. Sein Verhalten ohne soziale Koppelung ist in diesem Sinn nicht kommunikatives Verhalten. Erst in der Hinzugesellung mindestens eines weiteren Einzelkörpers als Mitglied sozialer Koppelung kann von eben dieser gesprochen werden. Ein Körper kann sich dann Verhalten und mit dem anderen die soziale Koppelung herstellen.
Das deutet darauf hin, dass das Basengemisch Körper und Kommunikation in einem Verwandtschaftsverhältnis steht, das es im wirtschaftlichen Bestimmungsbereich zu erhellen gilt.
Sich verhaltende Körper in der Wirtschaft brauchen also mindestens noch einen Körper, mit dem es sich verhalten lässt, so dass von sozialer Koppelung als wesentlichem Ausgangsfaktum gesprochen werden muss.
Die Mitgliedschaft zur sozialen Koppelung, die im mindesten zweier Körper bedarf, beschreibt sich selbst als Körperanhäufung. In derartigen Anhäufungen ist Kommunikation möglich.
Blickt man sich im wirtschaftlichen um, so finden sich Körperanhäufungen ganz klassisch z. B. in Unternehmen. Tagein, tagaus bewegen sich Einzelkörper zu ihnen hin, in ihnen und von ihnen weg. Anhäufungen sind an allen drei Stationen möglich, beispielsweise auf dem Hin- und Rückweg in der U-Bahn oder im Unternehmen, auch ausserhalb der Kaffeepause.
Will man an dieser Stelle Dirk Baecker Glauben schenken, wenn er schreibt:
„In der Organisation sucht und findet das Unternehmen seine Verkörperung.“ und „Die Organisation ist die Verkörperung des Unternehmens.“
so kann vermutet werden, dass sich die Anhäufungen des Einzelkörpers in der Organisation zu bilden in der Lage sind und diese womöglich sogar konstituieren.
Man fragt sich: Wer bildet die Organisation? Wer konstituiert sie? Wer verhält sich? und Wer kommuniziert?
Damit eröffnet sich das zu untersuchende Feld zwischen der Anhäufung des Einzelkörpers und wirtschaftlicher Organisation. Verbindung findet jeweiliges in Titelanalogie zum ‚als‘. Bei der „Organisation ‚als‘ pulsierendem Kollektivkörper“ bildet ‚als‘ das Kettenglied zwischen den hängenden Seilen im Untersuchungsfeld. Denn die Betonung liegt auf Vergleichbarkeit, die sich in der Art der Metapher spezifiziert. Die Metapher ist mithin Instrument dieser Arbeit.
Kann sich die Anwendung der Metapher in einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit rechtfertigen?
Die klassische Definition der Metapher folgt dem griechischen metaphérein (übertragen). In der Metapher wird eine „...Form der Substitution, der Übertragung eines Ausdrucks aus einem ursprünglichen in einen neuen fremden Kontext, oft zur Veranschaulichung von Begriffen...“ gefunden. Indem Guldin I. A. Richard folgt, schreibt er: „I. A. Richard hat in seinem Essay „Die Metapher“ erhöhte Aufmerksamkeit auf den Vorgang der Metaphorisierung selbst gelenkt und diesen als dynamische Transaktion bestimmt.
Metaphern verbinden zwei deutlich unterschiedene Ebenen in einem einzigen Ausdruck, schlagen Brücken zwischen heterogenen Lebens- und Wissensbereichen, sind Übertragungsvorgang zwischen unterschiedlichen Gegenstandsdomänen und Sprachkontexten.“
Mit Metaphern lässt sich eine sprachlich-bildliche Abstraktionsebene bilden. Metaphern tragen Kodierungen von Wahrnehmung und Vorstellung von Welt in sich und stellen damit einen Experimentierbereich menschlicher Vorstellungskraft dar. Sie ermöglichen nicht nur Analogien, sondern einen Brückenschlag zwischen den Bereichen des Wissens und denen des Fühlens. Dies hat häufig die Anwendbarkeit von Metaphern in wissenschaftlichen Arbeiten in den Zweifel gezerrt. Doch kann der Metapher ihr kognitiver Wert nicht abgesprochen werden. Denn Metaphern transportieren leibliches Erleben und sie ermöglichen eine vielfältige semantische Kontamination, die Wahrnehmungen verschiedener Natur miteinander in Beziehung setzt oder vertauscht.
Als Bindeglied zwischen Körper und Organisation kann bezüglich des Körpers frei formuliert werden, dass die Verwendung von Körpermetaphern mit dieser Arbeit nicht neu erfunden wird:
„Die Vorstellung, dass die Gemeinschaft einen Körper – in Analogie zum menschlichen Körper bilde – blieb keineswegs nur archaischen Gesellschaften vorbehalten.“
betont zum Beispiel Christina von Braun
Und Rainer Guldin beginnt z. B. seinen geschichtlichen Aufriss von Körpermetaphern in Bezug auf den Staat mit den Anfängen der organologischen Staatsbetrachtung bei Wilhelm von Conches (1080-1154), der diese - Guldin zufolge – „als erster...über den einfachen Gegensatz von Haupt und Gliedern hinaus“führte und „die traditionelle platonische Dreiteilung von Haupt, Herz und Unterleib um eine vierte Instanz...“ – die der Füsse des Staatskörpers erweiterte. Die Füsse stellten dabei die hinter den Stadtmauern lebenden Bauern, Hirten und Jäger dar.
Die Diskussion bei der Behandlung (Untersuchung) von Metaphern geht um die Rückübertragung: So hat Hans Blumenberg darauf hingewiesen, dass Sinnimplikationen bei Metaphern letztlich nicht ganz zu erklären sind und der Kontext dadurch nicht vollkommen kontrolliert und stabilisiert werden kann. Ein Widerspruch, die Metapher als Instrument in einer wissenschaftlichen Arbeit einzusetzen?
„Obwohl sie den wissenschaftlichen Anforderungen der Eindeutigkeit, der Kontrolle und Stabilisierung, die für Modelle unentbehrlich sind, nicht genügen kann, teilt sie mit diesen die gleiche vermittelnde Funktion.“
Als vermittelnde Funktion wird sie in dieser Arbeit gebraucht. Das rechtfertigt ihren Einsatz als Instrument.
Nun handelt es sich bei dem, was mit der Metapher vermittelt werden soll, nämlich die „Anhäufung des Einzelkörpers“ auf der einen Seite und „wirtschaftliche Organisation“ auf der anderen, um reichlich unspezifizierte Begriffskonstrukte, die sich in ihrer bisherigen Unspezifiziertheit in eben solcher auf die Metapher selbst rückwirkt, so dass das Instrument momentan eher einer Kneifzange, denn einer feingearbeiteten Pinzette gleicht.
Damit sie als Pinzette Feinheiten aufzeigen kann, muss die Unspezifiziertheit der Begrifflichkeiten aufgelöst werden. Dies wird in den einzelnen Kapiteln vollzogen.
Gang der Untersuchung:
Zunächst gilt es die Perspektive der Arbeit zu kristallisieren. Dies wird in dem der Einleitung folgenden Untersuchungsteil geschehen. Auch werden hier die Grundannahmen und Hypothesen für die Arbeit formuliert, die sich dann in drei Kapiteln operationalisieren lassen:
Im ersten Kapitel „Körper“ wird die Metapher zunächst den Einzelkörper zerlegen, damit den Körper und auch sich selbst verfeinern. Es gilt zu klären: Wie kann der Einzelkörper als Metapher verstanden werden?
Um festzustellen, dass eine derartige (Einzel-)Körpermetapher auch für Anhäufungen des Körpers gelten kann, wird der Umweg eingeschlagen, der herausarbeitet, welche Formen von Anhäufung es gibt. Wann handelt es sich um ein Kollektiv, wann um eine Gemeinschaft, eine Masse, Meute, Herde, Horde etc.? Man wird sich auf einen Begriff einigen, an dem die (Einzel-)Körpermetapher ausprobiert wird.
Mit dem ersten Kapitel wird die Darreichungsform für das zweite bereitet.
Denn hier fragt sich, ob die wirtschaftliche Organisation überhaupt einen Anhäufungskörper besitzt und wenn, welchen. Dabei gilt es, sich für einen Ansatz der Organisationstheorie zu entscheiden, anhand dessen diejenige Körpermetapher ausprobiert werden kann, die mit der Darreichung des ersten Kapitels ihre Logik bewiesen hat.
Man wird in diesem Kapitel mit dem Grundproblem der Organisationstheorie, dass in der Behandlung von Komplexität liegt, vertraut gemacht. Man wird dabei feststellen, dass Komplexität die meiste Berücksichtigung in der Systemtheorie findet, die von dem Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann in die Soziologie eingeführt wurde. Warum gerade die Soziologie zitiert wird, findet ebenfalls Klärung und lässt sich auch bereits in dem oben aufgeführten Kommunikationsverständnis von Maturana/Varela mit der „sozialen Koppelung“ vermuten.
Will man die Behandlung von Komplexität integrieren und damit Niklas Luhmann gefolgt werden, so muss man sich auch dem von ihm eingeführten Paradigmenwechsel gedanklich einschmiegen, da ansonsten seine Theorie nicht verstanden werden kann. Dieser Paradigmenwechsel nun verwirft jeden Anhäufungsgedanken, als dass sich diese als Teil-Ganzes-Relation definierte. Das bedeutet, dass Organisation im Luhmann’schen Sinn rein gar nicht in dieser Relation begriffen werden kann. Damit ist die Arbeit schlagartig mit einem Wanken in ihren Grundfesten konfrontiert und es wird zu klären sein, wie konkret sich dieses auf die Grundfesten auswirkt. Soll heissen: Muss die Idee des kollektiven Anhäufungskörpers verworfen werden? Gibt es überhaupt Körperlichkeit im metaphorischen Verständnis für Organisation? Ist Organisation ein soziales System?
Das sind die Fragen, die sich im zweiten Kapitel entscheiden.
Im dritten Kapitel findet die Arbeit ihr „Pulsieren“, indem das Agieren desjenigen – unter 2. festgestellten – Körpers in seinem Milieu Darstellung findet. In diesem Agieren wird das Fragekontinuum: Wer kommuniziert da eigentlich? Wie geht dies vonstatten? Aufklärung finden, indem der systemtheoretische Körper, als Metapher begriffen, eben im Agieren gezeigt wird.
Vermutet wird hier der direkte Bezug zur Wirtschaftskommunikation.
Inhaltsverzeichnis:
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