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Rationalitätsmythen der New Economy

Eine neo-institutionalistische Rekonstruktion des Internet-Hypes am Typus des New Economy Unternehmens

Autor/in Norbert Huchler
Art der Arbeit Diplomarbeit
Abgabe Juni 2002
Seiten 146 Seiten, 892,5 KB
Hochschule / Bildungseinrichtung Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
Note

Inhaltsangabe

Einleitung:

Das Stück, Titel: „New Economy“, ist nicht vorbei, aber wir befinden uns mittlerweile im zweiten Akt. Die neuen Hauptdarsteller sind hier die Größen Umsatz und Gewinn. Eine euphorische und aktionsgeladene Szenerie des ersten Aktes wurde zurückgelassen und die Geschichte hat sich bis dato weit von ihrem Eingangsmotiv „Fantasie, Fun und Firlefanz ziemlich entfernt. [...D]as Leitmotiv zum zweiten Akt des Dot-com-Schauspiels heißt P2P, für: Path to Profitability.“ Die Akteure treten hierzu von der mittlerweile ramponierten Bühne der New Economy herunter und mischen sich unter das Publikum. Ab jetzt läuft das Stück „genau wie das richtige Leben in der Old Economy: Man muss profitabel arbeiten und nicht erst viel Geld verbrennen.“ Für die Mehrzahl der Zuschauer hat es den Anschein, das Theater habe sein Ende gefunden und „die Realität Einzug gehalten[. ... Viele] haben erst jetzt begriffen, dass die Regeln der Old Economy auch für die neue Wirtschaft gelten“, dass das Publikum und die Schauspieler den gleichen Gesetzen unterliegen - das sollte daraus gelernt werden.

Warum haben sich diese Orientierungen „aber um 180 Grad gedreht“? Waren die strategischen Kalkulationen der Analysten, der Investoren, der Unternehmer und der Professoren die Jahre zuvor unrealistisch oder gar irreal?“ Soweit Ausschnitte aus der Einleitung dieser Arbeit. Sie beschäftigt sich, exemplarisch an der New Economy, mit der Frage, weshalb strategisches, rationales Handeln in Märkten radikalen Änderungen unterworfen ist und oftmals retrospektiv als unverständlich und irrational geschrieben wird.

Um dieser Frage nachzugehen greift die Arbeit auf insgesamt 34 Experteninterviews zurück, welche in der Zeit von Mitte 2001 bis Anfang 2002 im Rahmen eines Forschungsseminars [„Soziologie der Internetfirma. Ein Blick auf die Hinterbühne der New Economy.“ Leiter: Stefan Kühl in Kooperation mit Alexander Schulze-Fielitz. Am Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München.] erhoben wurden. 22 der Interviews fanden in 11 verschiedenen Internet-Firmen der New Economy statt, welche 12 bis 300 Mitarbeiter beschäftigten. Weitere 12 Interviews wurden mit Vertretern von 9 Venture Capital Firmen gehalten, um eine andere Perspektive auf die Unternehmen zu ermöglichen und um der einflussreichen Rolle, welche das Risikokapital zu dieser Zeit gespielt hat, gerecht zu werden. Zusätzlich fanden, in Form von Sekundäranalysen, große Teile der Fachliteratur des untersuchten Zeitraums Verwendung.

Anhand des auf diese Weise vertieften Einblicks entstand die Einsicht, dass sich die „hypeartige“ Entwicklung der New Economy weder durch Veränderungen der ökonomischen Rahmenbedingungen, noch durch das strategische Handeln der einzelnen Unternehmen in ihrer vollen Ausprägung fassen lässt. Vielmehr bietet die Betrachtung der, der New Economy zugrundeliegenden, handlungsleitenden Annahmen eine Erklärung von wesentlich tiefgreifenderer Stärke.

Diese Herangehensweise beweißt sich sowohl in der Analyse der Beziehungsverhältnisse zur „äußeren Umwelt“ der Unternehmen (Mitbewerber, Medien, Kapitalgeber und Investoren usw.), wie auch darin, die Veränderung der inneren Arbeitsprozesse (Entscheidungsverhalten, Motivation, Klima usw.) zu fassen. Des weiteren deckt sie eine der Betriebswissenschaft völlig fremde Methodik auf, wie Unternehmen auf veränderte Unsicherheit und Komplexität im Markt reagieren und wie „flexibel“ Vorstellungen rationalen Handelns in diesem Zusammenhang sein können.

Um die Auswirkungen herrschender „Rationalitätsannahmen“ auf das Handeln der einzelnen Unternehmen, Organisationen und Institutionen der New Economy theoretisch zu fassen, zu systematisieren und zu erklären, fand die noch junge Theorieperspektive des Neo-Institutionalismus Verwendung. Der Anspruch der Arbeit, eine Dynamik nachzuzeichnen, hat auch eine relativ großzügige bis gar erweiternde Auslegung der verwendeten Theorieperspektive des Neo-Institutionalismus zur Folge, da dieser nicht die Eigenschaft nachgesagt wird, Wandel konsistent fassen zu können. Insofern findet auch eine tiefergehende, oft eng am praktischen Beispiel orientierte Theoriediskussion statt.

Nach Ausschnitten aus der soziologischen Diskussion des Rationalitätsbegriffs, folgt in 11 Seiten kapp eine Zusammenfassung der neo-institutionalistischen Theorie und eine Klärung der wichtigsten Begriffe. Auf eine kurze Erläuterung des methodischen Vorgehens folgt dann der Hauptteil der Arbeit, welcher die Entwicklung der New Economy anhand eines aus dem Interviewmaterial entwickelten typischen Unternehmens nachzeichnet und neo-institutionalistisch erklärbar macht. Hierbei wird sehr eng am original Interviewtext entlang vorgegangen, was einen starken Einblick in die jeweilige Situation der Personen und des Unternehmens gewährt.

Genauer ist der Aufbau und teilweise auch der Inhalt noch aus der folgenden Gliederung ersichtlich.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Rationalitätsmythen - theoretische Heranführung 8
2.1 Die Entwicklung entlang der Rationalität 8
2.2 Die wichtigsten Begriffe des Neo-Institutionalismus 17
2.2.1 Institutionelle Umwelten und das organisationale Feld 17
2.2.2 Rationalitätsannahmen sind Regeln und Ideologien 18
2.2.3 Isomorphismen 18
2.2.3.1 Isomorphismus durch Zwang 19
2.2.3.2 Isomorphismus durch mimetische Prozesse 20
2.2.3.3 Isomorphismus durch normativen Druck 21
2.2.4 Entkopplung bzw. lose Kopplung 22
2.2.5 Die vier Glieder und ihre Zusammenhänge 24
2.2.6 Mythen 26
3. Rationalitätsmythen der New Economy 28
3.1 Methode und Vorgehen 28
3.2 Das Feld 32
3.2.1 Entstehung durch Technik, neue Begriffe, Inhalte und Visionen 32
3.2.2 Neue Akteure, welche sich gemeinsam wahrnehmen 36
3.3 Das New Economy Unternehmen am Anfang 39
3.3.1 Rationalitätsannahmen bzw. Mythen 39
3.3.2 Venture Capital finanziertes Unternehmensmodell und warum 41
3.3.3 Das Unternehmensmodell am Anfang 43
3.3.4 Die neo-institutionalistische Konstruktion 44
3.3.4.1 Vertrauen und guter Glaube extern 45
3.3.4.2 Zufriedenheit extern 48
3.3.4.3 Vertrauen und guter Glaube intern 50
3.3.4.4 Zufriedenheit intern 54
3.3.4.5 Anfang: Hohe Legitimität 62
3.3.4.6 Starke Isomorphismen 64
3.3.4.7 Niedrige bzw. hohe Entkopplung 67
3.3.5 Erfolg 68
3.4 Der Wandel 68
3.4.1 Die Blase bläht sich auf 69
3.4.2 Die Entkopplungen nehmen zu 71
3.4.2.1 Beispiele für Entkopplungen (Legitimation extern) 72
3.4.2.2 Beispiele für Entkopplungen (Legitimation intern) 79
3.4.3 Grenzen der Entkopplung 84
3.4.4 Misstrauen und Unzufriedenheit 85
3.4.4.1 Misstrauen und Unzufriedenheit extern 85
3.4.4.2 Misstrauen und Unzufriedenheit intern 87
3.4.5 Die Blase platzt 93
3.4.6 Letzte Rettungsversuche 93
3.5 Das Ende 95
3.5.1 Selbstbeschreibung 96
3.5.2 Zusammenfassende Neo-institutionalistische Betrachtung 99
3.5.3 Erklärungspotential des Neo-Institutionalismus 106
3.5.4 „Neue“ Rationalitätsannahmen und Mythen 107
3.5.5 Verlierer/Gewinner? 109
3.5.6 Kritik Venture Capital-Logik 110
3.6 Zusammenfassung der Ergebnisse 112
4. Schluss 114
5. Anhang 116
5.1 Exkurse 116
5.1.1 Exkurs: Technische und Institutionelle Umwelten 116
5.1.2 Exkurs: Entstehung, Wandel und Ende von Mythen 117
5.1.3 Exkurs: Strategie 122
5.2 Die Annahmen von Meyer und Rowan 126
5.3 Methodik 127
5.4 Kritik an der Arbeit 136
6. Literatur 139
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