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Zusammenfassung:
Die EU-Osterweiterung birgt viele Chancen für die Europäische Union ebenso wie für die Beitrittskandidaten. Die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen einer solchen Verschmelzung von Ost und West sind viel diskutiert. Oft wird von einer „win-win“-Situation, einer einzigartigen Vision von einem „Vereinten Europa“ gesprochen. Doch was bedeutet das für verschiedene Menschengruppen der beiden Gesellschaften? Gibt es nicht trotz der geographischen Nähe und der geschichtlichen Verbundenheit enorme kulturelle Unterschiede zwischen den Gesellschaften? Dies soll am Beispiel zweier benachbarter Staaten untersucht werden, die eine jahrhundertelange gemeinsame Geschichte teilen, ehemals beide zur Donaumonarchie gehörten, die nun aber 45 Jahre Teil sehr unterschiedlicher politischer und wirtschaftlicher Systeme waren. Im Vergleich zu einigen hundert Jahren sind 45 Jahre nicht lang. Gibt es gegenwärtig deutliche Unterschiede in der Weltanschauung, den persönlichen Plänen und Wünschen der Menschen im post-kommunistischen Tschechien und im kapitalistischen, durch soziale Marktwirtschaft organisierten Österreich? Inwieweit zeigen sich Unterschiede in der Lebensgestaltung und zwischen den Geschlechterrollen bei Männern und Frauen der tschechischen und österreichischen Bevölkerung?
Gegenstand dieser Arbeit sind insbesondere die Lebens- und Arbeitsbedingungen, Pläne und Wünsche hinsichtlich Beruf und Familie der Frauen in beiden Ländern. Bestehende Unterschiede werden aufgedeckt und ihre Ursachen näher beleuchtet, wobei besonders auf die Situation der Frau und ihre Einstellung in Bezug auf verschiedene Bereiche des Lebens, wie Arbeitswelt, familiäre Umgebung und politische Sphäre eingegangen wird.
Davon ausgehend lässt sich folgende Forschungsfrage formulieren: „Inwieweit gibt es Unterschiede hinsichtlich Karriere- und Familienplanung zwischen tschechischen und österreichischen Frauen?“ Bei einem ausschließlichen Vergleich der Einstellungen zu Karriere der beiden Gruppen, tschechischer Frauen und österreichischer Frauen, könnte man Gefahr laufen, einen falschen Eindruck von der gesamten Gesellschaft zu bekommen und wichtige Informationen über das Verhältnis der beiden Geschlechter zu einander könnten verloren gehen. Um ein ganzheitliches Bild zu erhalten und die beiden Länder miteinander vergleichen zu können, wurden Frauen immer in Relation zu den Männern in der jeweiligen Gesellschaft gesetzt, um das Verhältnis der beiden Geschlechter nicht aus den Augen zu verlieren. Daher wurde die Forschungsfrage erweitert auf: „Ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen in Bezug auf die Karriere- und Familienplanung in Österreich und der Tschechischen Republik unterschiedlich?“
Da eine Repräsentativerhebung sämtlicher Männer und Frauen in beiden Ländern unter Einbeziehung der Bildungsschichten, Berufsausbildungen etc. den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde, wurde die oben genannte Forschungsfrage eingeschränkt auf eine Stichprobe von Studenten und Studentinnen jeweils einer großen Wirtschaftsuniversität in Österreich und der Tschechischen Republik. Die Beschränkung auf dieses Segment scheint auch sinnvoll, da die betrachteten Männer und Frauen zukünftige Führungskräfte in den Bereichen Wirtschaft und Politik darstellen und ihre Einstellungen für die politische und wirtschaftliche Richtungstendenz der beiden Länder in Zukunft von entscheidender Bedeutung sind.
Beginnend mit einem Überblick über die historische Entwicklung, widmet sich das erste große Kapitel des Theorieteils der Situation der Frau in der Tschechischen Republik, wobei besonders auf Veränderungen in der tschechischen Gesellschaft durch den Übergang zum marktwirtschaftlichen System und ihre Bedeutung für die Stellung der Frau eingegangen wird. Es werden diverse Bereiche des wirtschaftlichen Lebens beleuchtet, wie z.B. gesetzliche Rahmenbedingungen, die Situation am Arbeitsmarkt und die Beteiligung der Frauen in der Politik.
Nach einer Übersicht über die Geschichte Österreichs, wird ein vergleichbares Bild für die Stellung der Frau in der österreichischen Gesellschaft gezeichnet, das ebenso auf rechtliche Arbeitsschutzbestimmungen, Probleme wie Frauenlohndiskriminierung und die Situation der Frauen in der Ausbildung, am Arbeitsmarkt und der Politik eingeht.
Anschließend an die Darstellung des theoretischen Hintergrundes der Geschichte der beiden Staaten und die konkrete Situation der Frau in verschiedenen Bereichen des wirtschaftlichen und politischen Lebens wird die Durchführung der Befragung von Wirtschaftsstudenten in beiden Ländern beschrieben. Die Umfrage hatte das Ziel, verschiedene Hypothesen, die aufgrund des Literaturstudiums aufgestellt werden konnten, auf ihre Richtigkeit zu prüfen.
Nach genauer Beschreibung der Hypothesen und deren Zustandekommen, wird die Vorgehensweise bei der Untersuchung und Auswertung erklärt. Danach werden die Ergebnisse zu jeder Frage, nach den jeweils zugrunde liegenden Hypothesen gegliedert, dargestellt und ihre Bedeutung für die jeweilige Hypothese bewertet. Im anschließenden Kapitel werden die Ergebnisse interpretiert und mögliche Erklärungen für aufgetretene Unterschiede in den Einstellungen zwischen den Ländern oder zwischen den Geschlechtern werden aufgezeigt.
Zum Schluss der Arbeit wird ein Überblick über den Konflikt bzw. die Gegensätzlichkeit der Probleme der österreichischen und tschechischen Frauen und die Anschauungen von westlichen Feministinnen gegeben, mit denen osteuropäische Frauen sich oft konfrontiert sehen. Es werden abschließend Möglichkeiten dargestellt, wie die unterschiedlichen Erfahrungen von Ost und West dennoch zum Vorteil beider Seiten genützt werden können.
Inhaltsverzeichnis:
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