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Trinkgeld - Eine interdisziplinäre Analyse, einem Kellner oder einer Kellnerin Trinkgeld zu geben

Autor/in Stefan Ramert
Art der Arbeit Diplomarbeit
Abgabe November 2003
Seiten 113 Seiten, 651,8 KB
Hochschule / Bildungseinrichtung Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
Note

Inhaltsangabe

Einleitung:

Das Trinkgeld ist mittlerweile fast überall als soziale Norm und Sitte in das tägliche Leben der Gesellschaft integriert. Ob Frisör, Kellner, Taxifahrer oder Zimmermädchen, alle erwarten von ihren Kunden ein kleines finanzielles Dankeschön für ihre Leistung.

Mit der konkreten Ausgestaltung der Norm des Trinkgeldgebens (wie hoch also der tatsächliche Geldbetrag ist) beschäftigen sich mit dem zunehmenden Tourismus immer mehr Autoren von diversen Reiseführern, ohne jedoch ein einheitliches Bild über die derzeitige Trinkgeldsituation in den verschiedenen Staaten geben zu können. Ebenso beschäftigen sich Zahlreiche Etiquette-Bücher mit dieser Norm und geben Vorschläge, an wen man, wann und wie viel Trinkgeld geben sollte.

Die Entstehung des Trinkgeldes und die Motive für dieses Verhalten zwischen „Herren“ und „Dienern“, also die Sitte des Trinkgeldgebens, stellt aus ökonomischer Sicht ein großes Rätsel dar. Der egoistisch denkende Mensch hat ökonomisch gesehen kein Bestreben für eine Leistung außer der vereinbarten Entlohnung einen zusätzlichen Betrag zur „Belohnung“ zu geben, auch wenn er mit dieser Leistung zufrieden ist. Er muss bei einmaliger Interaktion nicht mit einer „Bestrafung“ rechnen, wenn er es unterlässt ein Trinkgeld zu geben.

Während die klassischen Ökonomie „versagt“, versucht die Sozio-Ökonomie dieses Verhalten mit Hilfe eines „sozialen Gewissens“ zu erklären. Allerdings kann auch eine Integration eines Nutzenverlustes durch unsoziales Verhalten langfristig die Existenz des Trinkgeldes nicht erklären.

Da ein Trinkgeld in einer Vielzahl von Servicebereichen gegeben wird, beschränkt sich diese Studie auf eine Untersuchung der Trinkgeldgewohnheiten in Restaurants. Dies geschieht allerdings auch vor dem Hintergrund, dass über andere Bereiche keine bzw. wenige empirischen Arbeiten und Studien verfügbar sind.

Diese Arbeit soll Motive identifizieren, die ein Individuum dazu bringen, ein Trinkgeld zu geben. Dazu wird im zweiten Abschnitt in der Geschichte nach Gründen für die Entstehung des Trinkgeldes gesucht. Diese Untersuchung enthüllt z.B., dass es in den USA am Anfang ihrer Geschichte kein Trinkgeld gab.

Um sich ein Bild von der aktuellen Ausprägung der Sitte in anderen Ländern zu machen, werden die Trinkgeldgewohnheiten in 33 Ländern vorgestellt und analysiert. Mit Hilfe dieser Untersuchung konnte z.B. festgestellt werden, dass es immerhin noch Länder gibt, in denen kein Trinkgeld bezahlt wird.

Weiterhin werden zahlreiche empirische Arbeiten vorgestellt und auf mögliche Motive hin untersucht. Einerseits sind dies Studien, die einen Zusammenhang zwischen nationalen charakteristischen Wertevorstellungen und der Neigung zum Trinkgeldgeben untersuchen. Andererseits werden hier im zweiten Teil dieses Abschnitts Studien vorgestellt, die versuchen u.a. situative Auswirkungen auf die Trinkgeldhöhe darzustellen. Die bisherige Versuche die Sitte zu erklären und deren Problem wird im fünften Abschnitt dargestellt.

Der sechste Abschnitt versucht nun, die fünf Motive, die in den vorherigen Abschnitten identifizierten werden konnten, in das von Frank (1987) entwickelte Modell zur ökonomischen Erklärung der Ehrlichkeit in einer Gesellschaft zu integrieren.

Gang der Untersuchung:

Diese Arbeit soll einen Überblick über die bisherigen Ergebnisse der Forschungsarbeiten von Soziologen, Ökonomen und Psychologen zu diesem Thema geben. Ebenso werden kurz die Entwicklung und Ausbreitung des Trinkgeldes seit dem Mittelalter dargestellt. Zusammen mit den Begründungsversuchen der bestehenden Arbeiten können fünf Motive identifiziert werden, mit denen sich das Trinkgeld begründen lassen kann. Mit Hilfe dieser fünf Motive wird ein Modell konstruiert, um zu Versuchen die Existenz und das Weiterbestehen des Trinkgeldes in Restaurants zu erklären.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Das Trinkgeld vom Mittelalter bis in die Neuzeit 3
2.1 Ausgangspunkt: Das Feudalsystem im Europa des späten Mittelalters 3
2.2 Der Egoismus als der Begründer des Trinkgeldes und der Wunsch nach Differenzierung als Wegbereiter ? 4
2.3 Unternehmer nutzen das Trinkgeld aus 7
2.4 Koalitionen gegen das Trinkgeld 8
2.5 Theorien über die Entstehung des Wortes „Trinkgeld“ 10
2.6 Was die Geschichte lehrt 10
3. Internationaler Vergleich der Trinkgeld-Praxis 13
4. Empirische Untersuchungen 17
4.1 Makro-Ebene: Kultur und Gesellschaft eines Landes 17
4.1.1 Methoden 17
4.1.2 Gesellschaftliche und kulturelle Einflussfaktoren 19
4.1.2.1 Die Dimensionen von Hofstede als (unabhängige) Variable 19
4.1.2.2 Die Dimensionen von Schwartz als (unabhängige) Variable 21
4.1.2.3 Die Dimensionen von Barrett und Eysenck als (unabhängige) Variable 22
4.1.2.4 Die Dimension von McClelland als (unabhängige) Variable 24
4.1.3 Zusammenfassung 25
4.2 Mikro-Ebene: Kellner, Gast und Situation 31
4.2.1 Methoden 31
4.2.1.1 Exit-Interviews: 32
4.2.1.2 Customer/Server Survey: 32
4.2.1.3 Server-Records 34
4.2.2 Untersuchte Einflussfaktoren 35
4.2.2.1 Welche Charakteristika des Kellners können das Trinkgeld beeinflussen? 35
4.2.2.2 Welche Charakteristika des Gastes können das Trinkgeld bestimmen? 39
4.2.2.3 Welchen Einfluss haben situative Faktoren 42
4.2.3 Zusammenfassung 47
5. Erklärungsmodelle 48
5.1 Transaktionskostentheorie 49
5.2 Rational Choice Theorie 50
5.3 Social Choice Theorie 52
5.3.1 Social Approval 52
5.3.2 Fairness und Reziprozität 53
5.3.2.1 Soziale Präferenzen 54
5.3.2.2 Intention-based-reciprocity 54
5.4 Expressive Choice Theorie 55
5.5 Probleme der Theorien 57
6. Versuch einer rationalen Erklärung für die Existenz und den Fortbestand der Trinkgeldnorm 59
7. Motive die ein Trinkgeld und seine Höhe begründen können 64
Anhang: I
Literaturverzeichnis: XXXVI
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