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Sozio-ökonomischer Kontext von Leiharbeit in der BRD

Autor/in Thomas Schupp
Art der Arbeit Diplomarbeit
Abgabe Oktober 1988
Seiten 82 Seiten, 328,5 KB
Hochschule / Bildungseinrichtung Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Deutschland
Note

Inhaltsangabe

Zusammenfassung:

Im Laufe des Studiums entwickelte sich bei mir ein Interesse an den Zusammenhängen und Wechselwirkungen von ökonomischer und gesellschaftlicher Realität. Diese Zusammenhänge bzw. Widersprüchlichkeiten waren und sind in den konkreten Alltagszusammenhängen für die Menschen erleb- und begreifbar.

So wurde mir durch Günther Wallraffs Buch „Ganz Unten“ konkret der emotionale Anstoß zur tiefergehenden Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Leiharbeit“ gegeben. Durch Zeitungsartikel und Gespräche mit bei Leiharbeitsfirmen beschäftigten Bekannten kamen weitere Motivationen hinzu, diesen Bereich der kapitalistischen Ökonomie näher zu untersuchen, in dem von Firmen Arbeitskräfte an Interessenten verliehen werden. Und dies geschah und geschieht zum Teil unter solch skandalösen Bedingungen, daß in der öffentlichen Diskussion die Schlagworte vom „modernen Sklaven- bzw. Menschenhandel“ aufzutauchen begannen. Diese zielen nicht nur auf den illegalen, sondern auch auf den legalen Sektor der Leiharbeitsbranche, dessen Umfang von jenem nach unterschiedlichen Schätzungen um das fünf- bis zehnfache übertroffen wird.

Somit entstand die zentrale Fragestellung der Diplomarbeit, welche Funktion die Leiharbeit im kapitalistischen System einnimmt, welchen Stellenwert sie in der Ökonomie als auch in der Gesellschaft hat, zumal sogar die illegale Leiharbeit von den staatlichen Verfolgungsbehörden zum Teil toleriert bzw. nur halbherzig verfolgt wird.

Als Ausgangsthese gehe ich davon aus, daß die Leiharbeit in Zukunft noch zunehmen, aber quantitativ keinen großen Sprung mehr machen wird.

In ihrer jetzigen Form sind einige Charakteristika enthalten, die die künftige Organisierung der Arbeitswelt aus der Sicht des Kapitals ausmachen sollen. Leiharbeit ist daher kein „systemfremdes“ Element der kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Insofern kann die Analyse der Entwicklung von Leiharbeit Rückschlüsse auf die Entwicklung des kapitalistischen Arbeitssystems zulassen.

Daraus ergeben sich folgende Untersuchungsabschnitte und Schwerpunkte der Diplomarbeit:

- Definition und Abgrenzung von Leiharbeit (Kapitel 2).

- Chronologie und rechtliche Entwicklung von Leiharbeit in der BRD (Kapitel 3).

- Entwicklung des kapitalistischen Systems in der BRD (Kapitel 4).

- Umfang und Situation von Leiharbeit in der BRD (Kapitel 5).

- Auswirkungen von Leiharbeit auf Stammbelegschaften, LeiharbeiterInnen, Gewerkschaften und Gesellschaft (Kapitel 6).

- der Komplex der illegalen Leiharbeit, der quantitativ bestimmend und daher wichtig für das Thema der Diplomarbeit ist (Kapitel 7).

Am Schluß der Diplomarbeit stehen eine Zusammenfassung und die Wertung der einzelnen Kapitel.

Eine systematische, wissenschaftliche Untersuchung des Phänomens „Leiharbeit“ fehlt bisher. Einzelne Aspekte wurden zwar genauer untersucht, doch auch aufgrund der unzureichenden Daten der Arbeitsämter ist eine umfassende Untersuchung des legalen Verleihs schwer zu bewerkstelligen, von dem illegalen Sektor ganz zu schweigen.

Zwei Begrifflichkeiten der Diplomarbeit habe ich im voraus zu klären. Zum einen verwende ich die weiblichen und männlichen Formen von Substantiven, soweit beide Geschlechter betroffen sind, indem ein Begriff jeweils mit beiden Endungen versehen wird (z. B. AusländerInnen). Dies beginnt sich innerhalb der Linken z. B. in der Berliner „tageszeitung“ seit einiger Zeit langsam durchzusetzen. Zum anderen setze ich den generalisierenden Begriff „ArbeiterInnen“ gegen den sozialpartnerschaftlichen Begriff „ArbeitnehmerInnen“, da letzterer das antagonistische Verhältnis von Kapital und Arbeit zu verschleiern versucht.

Zur Frage der „Objektivität“ in wissenschaftlichen Arbeiten, gerade auch im gesellschaftswissenschaftlichen Bereich, kann ich nur feststellen, daß es diese so nicht gibt. Hinter jeder noch so „objektiven“ Analyse steht ein politischer Background, der soziale und/oder politische Tendenzen untermauert oder kritisiert. So ist denn diese Diplomarbeit ein Element der Kritiklinie, die sich gegen Leiharbeit an sich richtet. Vor diesem Hintergrund schließe ich mich folgendem Zitat an:

„Wissenschaftliches Arbeiten, das sich politisch versteht, kann sich nicht darauf beschränken, fertige und wie immer gesicherte Ergebnisse vorzulegen. Es vollzieht sich in Auseinandersetzungen, Debatten und Diskussionen, bleibt vorläufig und im Handgemenge“ (1).

Inhaltsverzeichnis:

1. Vorwort 1
2. Begriffsbestimmung und Begriffsbegrenzung 3
2.1. Begriffsbestimmung 3
2.1.1 Definition des Vorgangs 3
2.1.1.1 Die Legal-Definition 3
2.1.1.2 „Zeit-Arbeit“ 3
2.1.1.3 Personal-Leasing 4
2.1.1.4 Leiharbeit 4
2.2 Begriffsbegrenzung 4
2.2.1 Werkvertrag 4
2.2.2 Dienst(verschaffungs)vertrag 5
2.2.3 Sklaven-/Menschenhändler 5
2.2.4 Teilzeitarbeit 6
2.2.5 Job-Vermittlung der Arbeitsämter 6
3. Chronologie und rechtliche Grundlage von Leiharbeit 7
3.1 Die Entwicklung der Leiharbeit bis zum Arbeitnehmerüberlassungsgesetz 1972 7
3.2 Die Entwicklung der Leiharbeit bis zum Verbot im Bausektor 1981 8
3.3 Die Entwicklung der Leiharbeit bis heute 9
4. Entwicklung und Funktionen der BRD-Wirtschaft 11
4.1 Das Verhältnis von Kapital, Staat und Arbeit 11
4.2 Die Entwicklung der BRD-Wirtschaft bis zur „Energiekrise“ 1973 12
4.3 Die „Energie-“ und Wirtschaftskrise 12
4.4 Die Entwicklung in den achtziger Jahren 14
4.4.1 Die Umstrukturierung der Wirtschaft 15
4.4.2 Das Instrument „Flexibilisierung“ 16
4.4.3 Prekäre Arbeitsverhältnisse 17
4.4.4 Die Rolle des Staates 20
4.4.4.1 Das Arbeitsvermittlungsmonopol der Bundesanstalt für Arbeit 21
4.4.5 Die Rolle der Gewerkschaften 22
5. Entwicklung, Umfang und Struktur der legalen Leiharbeit 23
5.1 Die volkswirtschaftliche Situation 23
5.1.1 Ausmaße von legaler Leiharbeit 23
5.1.2 Leiharbeit in den verschiedenen Branchen 27
5.1.2.1 Leiharbeit in Atomanlagen 29
5.2 Die betriebswirtschaftliche Lage 31
5.2.1 Das Interesse der Verleiher 31
5.2.2 Die Leiharbeit aus Sicht der Entleiher 33
6. Sozio-ökonomische Auswirkungen von legaler Leiharbeit und deren politische Verarbeitung 38
6.1 Sozio-demographische Struktur der Leiharbeitskräfte 38
6.1.1 Geschlechtsspezifische Verteilung 38
6.1.2 Qualifikationsniveau der LeiharbeiterInnen 39
6.1.3 Altersstruktur der LeiharbeiterInnen 39
6.1.4 Ausländische LeiharbeiterInnen 40
6.2 Beurteilung der Leiharbeit durch die LeiharbeiterInnen 41
6.2.1 Motivationen 41
6.2.2 Kritik an der Leiharbeit 42
6.3 Auswirkungen von Leiharbeit auf die Leiharbeitskräfte 43
6.3.1 Die Wechselwirkungen von Vor- und Nachteilen 43
6.3.2 Integration und Fluktuation 45
6.4 Das Verhältnis von Stamm- und Randbelegschaften 46
6.5 Haltung der Interessenvertretungen der Lohnabhängigen zur Leiharbeit 47
6.5.1 Position des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) 47
6.5.2 Position der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) 49
6.5.3 Betriebliche Interessensvertretung von LeiharbeiterInnen 50
6.6 Gesellschaftliche Funktionen von Leiharbeit 51
6.6.1 Leiharbeit in der Öffentlichkeit 54
7. Illegale Leiharbeit 55
7.1 Ausmaße 55
7.2 Motivationen und Praxis im illegalen Verleih 56
7.2.1 Illegale Leiharbeit mittels Scheinwerkverträgen 58
7.3 Zur Situation der illegalen LeiharbeiterInnen 60
7.4 Sozio-ökonomische Auswirkungen illegaler Leiharbeit 61
8. Zusammenfassung und Schlußbemerkungen 63
9. Anhang 67
9.1 Anmerkungen 67
9.2 Quellen- und Literaturangaben 73
9.3 Abkürzungsverzeichnis 78
Erklärung 79
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